13. November 2017

Gabi Ritter: „Vielfalt ist eines der Fundamente, auf der unsere Gesellschaft aufbauen sollte“

Verena Balves Bericht zeigt, wie Flensburg mit so genannten „Minderheiten“ umgeht – in ihrem Bericht geht es um Gender- oder Geschlechtergerechtigkeit und um die Enttabuisierung der vielfältigsten sexuellen Identitäten.

Auch das gehört zu unserem Bild von einem „bunten Flensburg“ – so bunt wie die Regenbogenflagge, die inzwischen – nicht nur bei uns in Flensburg – viel mehr ausdrückt als nur verschiedene Sexualität.

Als es vor mehr als zwei Jahren um Flucht und Migration ging, zeigte Flensburg ein wahrhaft „buntes Gesicht“. Wir erinnern uns an den Flensburger Bahnhof, die Groß-Demo und viele weitere sichtbare und weniger sichtbare Aktionen. Das hat uns allen und der Stadt gut getan und wirkt bis heute nach.

Im letzten Jahr ging der „Arbeitskreis (AK) Vielfalt“, der beim Gleichstellungsbüro angesiedelt ist und an dem neben vielen Initiativen auch SPD, Grüne und wir LINKE aktiv mitwirken, in eine weitere „bunte Offensive“: Nachdem die Stadt der Lübecker Erklärung beigetreten war und das Hissen der Regenbogenflagge schon 2015 besondere Aufmerksamkeitspunkte gesetzt hatte, stand im vergangenen Mai zum ersten Mal der Flensburger „Rainbow Walk und Women’s March“ auf dem Programm.

Die Aktion am 17. Mai war – dank der vielfältigen, effektiven und lustvollen Vorbereitung im „AK Vielfalt“ – schon von Anfang an mehr als nur eine Demo zur Akzeptanz von sexuellen Identitäten. Sie wurde vielmehr ein mega-buntes Fest für alles, was mit Gleichstellung und Akzeptanz im Genderbereich verbunden ist.

Eine „bunte GroKo“ von Frauenaktivistinnen, Lesben, Schwulen, Bi-, Trans- und Intersexuellen machten deutlich, was die Begriffe „Queer“  und „Gender“ alles beinhalten. Dieses breite Bündnis zeigt immer wieder auf, dass bei weitem noch nicht alles für Akzeptanz und Gleichstellung getan ist – und dass die Arbeit im Arbeitskreis und die daraus folgenden Aktionen weiterhin notwendig sind.

Wir wissen es alle: Noch immer gibt es hässliche Übergriffe gegen Menschen, die sich nicht an der vermeintlich gängigen Norm orientieren wollen oder können. Noch immer müssen viele dieser Menschen durch einen schmerzhaften Befreiungsprozess – das Coming Out. Er gelingt nicht immer. Denn es gibt Widerstand und Hass von denen, denen der gesellschaftliche Horizont an den Schläfen kneift... und die sich als Biedermänner oder -frauen darstellen, aber mit ihren dummen oder aggressiven Aktionen immer wieder Brandstiftung betreiben.

Wir sollten es alle wissen: Vielfalt ist eines der Fundamente, auf der unsere Gesellschaft aufbauen sollte – kulturelle Vielfalt ebenso wie eine bunte Vielfalt von Gender- und sexuellen Identitäten. – So etwas gibt es nicht zum Nulltarif. Dafür muss noch immer hart gearbeitet werden. Wir in Flensburg haben das Glück, dafür gut funktionierende Strukturen zu haben – mit dem Frauenforum, Initiativen, dem Gleichstellungsbüro und dem „AK Vielfalt“. Diese Strukturen gilt es zu bewahren – nicht zuletzt durch die finanzielle Unterstützung seitens der Stadt.

Niemand sollte glauben, dass diese Arbeit ein „Luxus“ sei – oder etwas, das man je nach Kassenlage auch mal „abschalten“ könnte... – Wir LINKE sehen die Arbeit für Akzeptanz und Gleichstellung als einen zentralen Punkt im Rat wie auch in der Verwaltung. Wenn wir LINKE von dem Ziel einer „sozialen Stadt“ sprechen, gehört genau dies als unentbehrlich dazu – genauso wie sozialer Wohnungsbau, die Abschaffung des Hartz-IV-Systems oder die Barrierefreiheit im öffentlichen Raum (um nur einige Beispiele zu nennen).

Dafür braucht es auch weiterhin unsere Unterstützung!

Anmerkung: Gabi Ritters Ratsrede bezieht sich auf eine Mitteilungsvorlage („Bericht zum Bündnis gegen Homophobie“) des Flensburger Gleichstellungsbüros, die dessen Leiterin Verena Balve am 09.11. in der Ratsversammlung vorgestellt hatte. Beraten wurde die Vorlage zuvor auch im Gleichstellungsausschuss der Stadt, dem für DIE LINKE Herman U. Soldan als bürgerschaftliches Mitglied angehört.