21. März 2017

Die Ratsfraktion DIE LINKE sieht keinen Anlass, ihren Antrag zur Muschelfischerei zurückzuziehen

Grundsätzlich begrüßt die Ratsfraktion DIE LINKE die beabsichtigte Umstellung der Muschelfischerei hin zu mehr Nachhaltigkeit. Die nun angedachte Ersatzlösung der Saatmuschelbänke ist vor ihrer Genehmigung genauestens hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf das Ökosystem Flensburger Förde zu untersuchen.  

Die Ratsfraktion DIE LINKE fordert daher weiterhin eine Umweltverträglichkeits- und Risikostudie. Durch Importe von Besatzmuscheln können z.B. gebietsfremde invasive Arten eingeschleppt werden. Saatmuschelgewinnungsanlagen können das Landschaftsbild nachträglich beeinflussen.

Ebenfalls sind die Belange der Fischerei zu berücksichtigen. Es ist nicht hinnehmbar, dass die ortsansässigen und regional beheimateten Fischer weitere Einschränkungen durch Fischereiverbotszonen dort erfahren, wo Saatmuschelbänke von ortsfremden Unternehmen angelegt werden.

Durch die bereits stattgefundene Muschelfischerei ist der Flensburger Förde womöglich großer Schaden zugefügt worden.

Muscheln sind die Klärwerke der Meere. Jede Miesmuschel filtert stündlich zwischen zwei und drei Liter Wasser. Ein gesunder Miesmuschelbestand in der Flensburger Förde trägt ganz erheblich zu der bisher hervorragenden Wasserqualität bei.

Eine Förde mit guter Wasserqualität ist die Grundlage der Fischerei in Flensburg und Umgebung, ebenso wie sie die unabdingbare Voraussetzung für die wachsende Tourismusregion ist. Eine jährliche Muschelernte von insgesamt 1.500 Tonnen birgt die Gefahr, dass durch die sinkende Wasserqualität in der Förde nicht einmal mehr genug Fische beheimatet sind, um weiterhin die Nebenerwerbsfischerei zu ermöglichen. Langfristig könnte durch fehlende Muschelbestände die Wasserqualität derart absinken, dass die Förde als maritime Urlaubsregion darunter leiden könnte.

In Dänemark wird die Muschelfischerei stets nur für ein Jahr erlaubt, danach erhält das entsprechende Seegebiet eine mehrjährige Schonzeit, damit die Muschelbestände sich erholen können. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen sind die  Miesmuschelbestände in Deutschland in den letzten 20 Jahren um 70 bis 80 Prozent zurückgegangen. Hauptgrund dafür soll die Muschelfischerei sein.

Den Zustand des Meeresgrundes in der Förde kann man in einem Video gut erkennen. Der Link ist: https://www.youtube.com/watch?v=inVJKa03R5c

Da die Muschelfischerei in der Förde mit Schleppkörben betrieben wurde, nahm sie unmittelbar Einfluss auf den Meeresgrund. Die Folgen dieser Einflussnahme werden kontrovers diskutiert, für die Flensburger Förde liegen hierzu keine Aussagen vor. Ob es Risiken mit am Meeresgrund abgelagerter Munition gibt, ist bisher ebenfalls nicht bekannt.